Übers Familienarchiv
Interview mit dem Familienarchivar Dieter Jungclaussen

durchgeführt von Ingo Jungclaussen und Matthias Meyer-Jungclaussen im März 2011

Matthias: „Lieber Dieter, seit wann kümmerst Du Dich um unser Jungclaussen-Archiv, wie hast Du zu dieser Arbeit gefunden und wer hat sich vor Dir darum gekümmert?“
Dieter: „Mein Onkel Hans Peter Jungclaussen (1887-1970) Unternehmer in Kiel, später in Celle im Ruhestand, hatte unser Familienarchiv über Jahrzehnte mit großem Engagement nicht nur weitergeführt - er hatte dieses übernommen von Prof. Wilhelm Theodor Jungclaussen (1820-1903), Flensburg - , sondern durch seine Forschungsarbeiten, in Familien- und Heimatgeschichte, auch ständig erweitert. Als im Krieg das Jungclaussen-Haus in Kiel durch Bombenangriff verloren ging, konnte leider nicht alles gerettet werden, ein Teil davon ging damit für immer verloren. Als Onkel Hans Peter 1970 in Celle starb, ruhte sein Archiv bei Inge, seiner Witwe. Als ich nach Jahren sie wieder einmal besuchte, bedauerte sie, dass sich aus der Familie niemand für Hans Peters Archiv interessiere. So erklärte ich mich spontan bereit, Hans Peters Archivaktenbestände zu übernehmen, zu ordnen und zu erhalten. Allerdings erst als ich in den Vorruhestand ging, konnte ich mich damit intensiver beschäftigen und fand seit dem immer mehr Freude daran.“

Ingo: „Was sind Deine persönlichen Motive und Beweggründe für diese engagierte Arbeit?“
Dieter: „Zunächst einmal die Arbeit meines Onkels, und aller derjenigen vor ihm, nicht nur zu erhalten, sondern ebenfalls weiterzuführen und auszubauen für zukünftige Generationen, sowie vielleicht auch einen bescheidenen Beitrag zu leisten für die sog. „Geschichte im Kleinen.“

Matthias: „Was bereitet Dir bei Deiner Arbeit am meisten Freude?“
Dieter: „Zunächst einmal, herauszufinden wie unsere Familienangehörigen einst lebten, welche Probleme oder Leidenschaften sie bewegten, was für sie von Bedeutung war, was für Menschen sie waren, welche Gene möglicherweise in uns stecken usw. usw. Aber auch, so wie ein Detektiv, auf Spurensuche zu gehen um Neues zu entdecken, was irgendwie mit unserer Familie in Verbindung steht. Dann aber auch, etwas weitergeben zu können an alle, die sich für unsere Familiengeschichte - mit allen, die dazugehören - zukünftig einmal interessieren könnten.“

Ingo: "Erzähl mal von einer besonderen Entdeckung während deiner Archiv-Arbeit!"
Dieter: „Ich lese gerne die alten Briefe und Schriftstücke unserer Vorfahren aus dem vorvorigen Jahrhundert, und darin entdecke ich dann immer wieder einmal etwas sehr Interessantes. So wusste ich von meinem Vater zwar, dass unsere Familie vielfach sehr musikalisch war und gerne an Musikveranstaltungen teilnahm. Besonders beeindruckt war ich dann aber doch, als ich las, dass im Rahmen der Schleswig-Holsteinischen Musikfestspiele in der Stadtkirche von Eutin (damals noch im Großherzogtum Oldenburg) 1819 unter der Leitung von Pastor Heinrich Jungclaussen (1767-1831) aus Altenkrempe mit Eutiner Sängern „Haydns Schöpfung“ aufgeführt worden war. Unserer Familie war daran maßgeblich beteiligt gewesen und es wirkten mit: Friederike Jungclaussen (1801-1882, die sehr musikalische 18-jährige Tochter von Claus Jungclaussen), Solostimme Sopran, aus Altona; Claus (Taufnahme Nicolaus) Jungclaussen (1771-1823), Tenor, Lehrer und Cantor am Christianeum in Altona; Diederich Jungclaussen (1776-1838), Tenor, Organist in Grömitz, und Jacob Philip Albrecht Jungclaussen (1788-1860), Bass, Rektor der Gelehrtenschule in Glückstadt.“

Matthias: „Für den, der Dich noch nie in Deinem Familien-Archiv in Kerpen-Brüggen besucht hat, beschreibe mal das Jungclaussen-Archiv, wie sieht es aus und wie ist es mit Deinem räumlichen Platz beschaffen?"
Dieter: „Seit 1997 ist mein Archiv kontinuierlich angewachsen, denn es hatte sich inzwischen herumgesprochen, dass da in der Parterrewohnung Kerpen-Brüggen in der Heerstr. 348 ein Ruheständler es sich zur Aufgabe gemacht hat, alle unsere Familienunterlagen sorgfältig zu erfassen und zu archivieren, unsere Familienforschung weiterzuführen und Dokumentationen daraus zu veröffentlichen. Von meinem früheren Arbeitgeber, der Rheinenergie Köln AG, konnte ich vor meinem Ruhestand noch mehrere ausgediente „feuerhemmende“ Stahlschränke für Hängeregistraturen erwerben, sowie ein Mikroverfilmungsgerät mit Lesegerät. Dazu kamen verschiedene Bücherregale und –schränke für Ordner und „Archivschachteln“. Inzwischen sind in meinem Computer unzählige Familienunterlagen und -bilder gespeichert und über eine zweite externe Festplatte zusätzlich gesichert. Die Wände zieren Bilder, die entweder von Jungclaussen gemalt wurden oder abbilden. Da die Bestände weiterhin ansteigen, überlege ich derzeit, einen weiteren Archivraum anzubauen.“

Ingo: „Erzähle mal denjenigen, die das „grüne“ Jungclaussen-Buch noch nicht kennen, was es damit auf sich hat und welche Pläne Du dafür hast.“
Dieter: „Unser „grünes“ Buch „Aus den Familien Jungclaussen“ (1978) ist eine Fortschreibung und Ergänzung der von Prof. Wilhelm Theodor Jungclaussen 1879 begonnen Zusammenstellung unserer Familiendaten, dann bis 1926, danach bis 1936 weitergeführt von Hans Peter Jungclaussen, 1928 ergänzt mit einem Nachtrag von Paul Karl Gerhard Jungclaussen und 1956 von Horst Meyer-Jungclaussen Als ich 1978 die 4., erweiterte Auflage im „grünen“ Einband zur Druckerei brachte, glaubte ich anfangs, viel zu viele Exemplare in Auftrag gegeben zu haben. Heute jedoch stehen nur noch wenige Restexemplare zur Verfügung. Daher plane ich nun schon seit geraumer Zeit, unsere Familiendaten für eine 5. Auflage zu aktualisieren, denn es fehlt darin inzwischen ja schon eine ganze Generation. Dazu kommt, dass auch einige der Angaben inzwischen überholt sind und korrigiert werden müssen. Unser geplantes Familientreffen im Sept./Okt. 2011 bietet hinsichtlich der erforderlichen Erfassung aktueller Daten eine gute Gelegenheit dazu.“

Matthias: „Mit welchen Projekten hast Du Dich in den letzten 5 Jahren beschäftigt und welche Schriften hast Du in diesem Zusammenhang verfasst?“
Dieter: „Ich habe mich in den vergangenen Jahren natürlich mit einer Vielzahl größeren und kleineren Projekte beschäftigt. Das Wichtigste aber war für mich die Geschichte der einst so erfolgreichen „Baumschule von Heinrich Jungclaussen in Frankfurt/Oder“ in Wort und Bild zu erfassen und herauszugeben, denn es ist nun schon über zwei Generationen her, dass dieses seinerzeit in ganz Deutschland bekannte Privatunternehmen verstaatlicht wurde. Das Interesse daran hat mich überrascht und natürlich auch sehr gefreut, denn 2006 konnte ich nun schon die 3. und erweiterte Auflage davon herausgegeben. Dazu 2008 „Elisenheim – (Heinrich) Jungclaussens Außenhof in Lebus“, und bereits 2006 „Heinz Grießbach, Baumschulfachmann und Arboretumskenner von Frankfurt/Oder“, ein äußerst beliebter ehemaliger Jungclaussen-Mitarbeiter, der im Nov. 2006 verstarb. Ebenfalls 2008 stellte ich „Die Geschichte des Familienbetriebes H. Jungclaussen in Ahrensbök, 1878-2006“ zusammen, die ich, wie auch alle anderen, im Eigenverlag herausgegeben habe.“

Ingo: „An welchen Projekten arbeitest Du gerade und mit welchen ,Familienschauplätzen‘ beschäftigst Du Dich derzeit?“
Dieter: „Neben den üblichen Anfragen und Auskünften wird Erweiterung und Neuordnung unseres Familienarchivs weitere Zeit in Anspruch nehmen. Derzeit bereite ich eine kleine Zusammenstellung der „Geschichte unserer Familientreffen“ in Wort und Bild vor und sammle Material für die 5. Auflage „Aus den Familien Jungclaussen“. Ein „Familienschauplatz“ wird hoffentlich meine in Vorbereitung befindliche Archivausstellung werden auf unserem Familientreffen im Sept./Okt. 2011 in der Abtei Niederalteich.“

Matthias: "Kann man selber auch mal das Familienarchiv besuchen?"
Dieter: „Du bist, sowie auch jeder andere Interessent, in unserem Familienarchiv jederzeit ein willkommener und gern gesehener Gast, aber bitte rechtzeitig voranmelden.“

Ingo: „Was wünschst Du Dir für die weitere Zukunft in bezug auf unser Archiv der Familie Jungclaussen?“
Dieter: „Dass das Interesse an unserem Familienarchiv weiterhin bestehen bleibt, und alle sich bewusst sind - und auch weitergeben - , dass hier alle Nachlässe von Familienpapieren, -belege, -fotos etc. gewissenhaft archiviert werden für zukünftige Generationen und Interessenten. Äußerst hilfreich wäre natürlich auch wieder ein Sponsor, so wie seinerzeit unser spendabler Heinrich Jungclaussen in Frankfurt/Oder.“

Matthias: „Wie finanziert sich das Jungclaussen Archiv eigentlich?“
Dieter: „Als wir vor vielen Jahren in Jülich unsere Garage erweiterten, hatten wir gleichzeitig einen Zusatzraum daran angebaut. Dieser wurde von mir genutzt als „Registraturraum“, in dem nun auch alle meine Schriftstücke usw. ihren Platz finden konnten; in unserem Einfamilienhaus reichte der Platz dazu einfach nicht mehr aus. Es stellte sich recht bald aber heraus, dass auch dieser Anbauraum einfach zu klein konzipiert war; hinzu kam, dass im Winter die Radiator-Heizung auch nicht ausreichte. Daraufhin verzichtete ich in meinem Haus in Kerpen-Brüggen auf die Vermietung der Parterrewohnung, und richtete mir hier unser Familienarchiv ein, unter Einbezug der alten Chippendale- u. a. Möbel meiner Eltern, die seit deren Tode auf einem Bauernhof vorrübergehend untergebracht gewesen waren. -
Da die Einnahmen aus dem Verkauf meiner Familienveröffentlichungen zu Selbstkosten, in Gegenüberstellung zu meinen Aufwendungen für unser Familienarchiv steuerlich permanent zu Verlustzuweisung führen müssen, könne ich diese Kosten auch nicht steuerlich geltend machen, so das Finanzamt. Da dieser Tätigkeit also das „Gewinnstreben“ fehle, wäre das steuerlich nur als ein rein privates Hobby zu betrachten. Daher freue ich mich natürlich über jede Zuwendung, sowohl finanzieller Art als auch in Form von Schrift- und Bildnachlässen, und danke allen Spendern sehr herzlich im Namen unserer Familie.“

Ingo: „Wenn Du unser letztes Familientreffen 2008 im Frankenland Revue passieren lässt, an was denkst Du dabei, und was wünschst Du Dir für das nächste Familientreffen dieses Jahr in der Abtei Niederaltaich?“
Dieter: „An die gleiche herzliche und fröhliche Stimmung aller Beteiligten wie 2008, dazu recht viele neue persönliche Kontakte mit bisher nur dem Namen nach bekannten Familienmitgliedern und natürlich mit allen, die dazugehören, insbesondere auch aus unserer jüngeren Generation.“

Ingo & Matthias: „Wir wünschen Dir für Deine weitere Arbeit im Jungclaussen-Archiv weiterhin alles Gute, Erfolg und viel Freude!“